Digitale Transformation im Bankwesen Fintech Neuigkeiten

Die digitale Transformation des Privatkundengeschäfts: Chance für irische Fintech Startups

Frank Schwab, Aufsichtsratsvorsitzender von Hufsy, ehemaliger CEO von Fidor TecS und ehemaliger Chefarchitekt der Privatkundensparte der Deutschen Bank zur Zukunft des Privatkundengeschäfts von Banken.

Früher mussten Privatkunden von Banken für eine Kontoeröffnung und ein Beratungsgespräch zu Geldanlagen in die Filiale. Doch heutzutage können Konten schnell und einfach online eröffnet werden und Computerprogramme, basierend auf künstlicher Intelligenz, beraten in finanziellen Angelegenheiten. Während sich traditionelle Banken mit der digitalen Transformation noch schwertun, haben Fintech Startups das veränderte Kundenverhalten längst erkannt und bieten Technologien und Dienstleistungen an, die ein flexibles und einfaches Bankingerlebnis ermöglichen.

Herr Schwab, welche Trends prägen das Privatkundengeschäft („Retailbanking“) derzeit am meisten?

Schwab: Zu den Megatrends, die das Retailbanking prägen, gehört vor allem das Ablösen von Altsystemen. Diese sind sowohl kostenintensiv als auch unflexibel. Doch insbesondere bei den traditionellen Banken sind diese alten Systeme immer noch im Einsatz und behindern ihre digitale Transformation.

Crowd Lending ist ein weiterer Megatrend, der ein völlig neues Bankingerlebnis bietet. Ein Beispiel ist eine Aktion des Berliner Fußballclubs Hertha BSC: Dieser sammelte mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform Kapilendo kurz vor einem Fußballspiel an einem Samstagnachmittag Spenden in Höhe von einer Million Euro, und das innerhalb von gerade einmal neun Minuten.

Auch die Kryptowährungen nehmen weiterhin an Bedeutung zu: Derzeit werden über 1.600 Kryptowährungen in mehr als 10.000 Märkten gehandelt – und dabei handelt es sich nur um die gelisteten. Ein Beweis für die zunehmende Bedeutung ist Binance, die mittlerweile größte Kryptobörse der Welt: Diese erzielte im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 200 Millionen Euro. Die Deutsche Bank erwirtschaftete im gleichen Zeitraum 146 Millionen Euro. Der Gesamtmarktwert aller Kryptowährungen beträgt 400 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Geldmarkt beläuft sich auf 83 Billionen US-Dollar, sodass die Kryptowährungen derzeit 0,5 Prozent davon ausmachen – Tendenz steigend. Auch prognostiziert das Weltwirtschaftsforum, dass bis 2025 bis zu 25 Prozent aller Werte in der Blockchain gespeichert werden könnten. Das ist ein Schritt von 0,5 Prozent auf 20 Prozent und gibt eine Vorstellung, welche Chance Kryptowährungen darstellen.

Mit welchen Herausforderungen sehen sich die traditionellen Banken konfrontiert?

Schwab: Das anhaltend niedrige Zinsniveau stellt eine Herausforderung dar, da es die traditionelle Einnahmequelle von Banken gefährdet. Das veränderte Kundenverhalten verschärft das Problem: Durch das Smartphone, den Aufstieg von Social Media und Onlineshops erwarten Kunden, dass Banken dieselben digitalen Services anbieten. Zentral für das Problem der traditionellen Banken ist zudem, dass niemand gerne Überweisungen tätigt. Niemand wacht auf und denkt: „Toll, heute werde ich Geld überweisen!“

Wie sieht der Zahlungsverkehr der Zukunft aus?

Schwab: Kunden wünschen sich eine einfache Bezahlung. Moderne Technik kann dies leisten. Wenn Sie einen Service wie Uber haben, können Sie Ihren Fahrer anrufen, er oder sie wird Sie zu Ihrem Ziel fahren und die Zahlung ist im Service inbegriffen. Sobald Sie das Fahrzeug verlassen, erfolgt die Bezahlung ohne Knopfdruck, denn das Smartphone erkennt, wann Sie ein- und aussteigen. Darum geht es beim Banking der Zukunft. Natürlich wird es weiterhin Überweisungen geben, aber sie werden in den Dienst eingebettet sein. Ebenfalls ermöglicht die Technik eine hundertprozentige Automatisierung. Wenn Ihnen zum Beispiel an einem Sonntagnachmittag das Geld ausgeht, aber Sie wissen, dass Sie Ihr Gehalt morgen erhalten, dann kann eine Online-Bank wie Fidor Ihnen einen Kredit an einem Sonntagnachmittag in Echtzeit liefern. Dieser Notfall-Bargeldservice steht seit drei Jahren allen Kunden zur Verfügung, die vorab geprüft wurden.

Warum fällt es Banken so schwer, von den vorgestellten Megatrends zu profitieren?

Das Problem liegt in der Kultur der Banken. Wir können von ihnen nicht erwarten, dass sie von heute auf morgen ihr bisheriges Geschäftsmodell einschließlich der Unternehmenskultur, Systeme und Prozesse über den Haufen werfen. Doch selbst der traditionelle Vorteil, den die Banken im Hinblick auf das Vertrauen der Verbraucher genießen – ein sicherer Ort für ihr Geld zu sein – wird ausgehöhlt: Durch die Blockchain wird man in Zukunft keinen Vermittler mehr brauchen und es gibt somit keinen Grund mehr für Banken, den täglichen Geldtransfer abzudecken. In zwanzig oder dreißig Jahren werden wir alle unsere Krypto-Geldbörsen auf mobilen Geräten, höchstwahrscheinlich als Ring am Finger, bei uns tragen. Wir werden täglich Peer-to-Peer-Zahlungen durchführen können und Banken für den täglichen Zahlungsverkehr somit nicht mehr brauchen. Für Großkunden- oder Ländertransaktionen bleibt das traditionelle Bankgeschäft weiterhin wichtig, doch das Privatkundengeschäft wird seine aktuelle Bedeutung verlieren.

Besitzt das Privatkundengeschäft noch Zukunft?

Natürlich werden die Banken in den nächsten zehn Jahren weiterhin einen bedeutenden Anteil an Finanzdienstleistungen im Privatkundengeschäft besitzen. Einige werden sich verändern und ein Geschäftsmodell finden, das auch in Zukunft funktioniert. Jedoch ist jetzt schon zu erkennen, dass die Mehrheit veraltet sein wird und sich konsolidieren wird. Vor zehn Jahren gab es in Deutschland mehr als 3.000 Banken. Jetzt sind es nur noch 1.500. Dem stehen mehr als 800 Fintech Startups gegenüber, von denen sich einige in naher Zukunft in große Unternehmen verwandeln werden.

Wie sind die irischen Fintech Startups aufgestellt?

Die irischen Fintech Startups sind gut positioniert, um die Chancen der genannten Megatrends und der digitalen Transformation zu nutzen und ihre Technologien und Dienstleistungen sowohl an Fintech-Unternehmen als auch an den gesamten Finanzdienstleistungssektor zu verkaufen. Irland hat im Vergleich zu Deutschland eine sehr entgegenkommende Regulierung für Finanzdienstleistungen, besitzt qualifizierte Mitarbeiter sowie fortschrittliche Technologien und Prozesse. Das ist der Grund, weshalb so viele Dienstleistungs- und Betriebszentren dort angesiedelt sind und es für irische Fintech Startups einfacher ist, in das Bankwesen einzusteigen.

Infokasten:

Irische Fintech Startups

Know Your Customer bietet eine vollautomatische Applikation zur Legitimationsprüfung von Neukunden und Anti-Geldwäsche-Verifikation an. Compliance-Teams in Unternehmen können den Genehmigungsprozess nach höchsten internationalen Standards schnell abschließen und ihren Kunden täglich Berichte zur Verfügung stellen. Dies ermöglicht den Kunden, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und Personalressourcen im Bereich Compliance auf ertragreiche Geschäftsbereiche umzuverteilen. Gleichzeitig werden die Kosten für die Zusammenstellung und Prüfung von Legitimationsdokumenten gesenkt.

ID-Pal ist eine Applikation, die es Unternehmen ermöglicht, die Identität ihrer Kunden schnell und einfach zu überprüfen, während die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden. Mit ID-Pal können Kunden Identitätsinformationen in weniger als fünf Minuten in vier Schritten mit Hilfe eines Smartphones oder Tabletts jederzeit und überall hochladen. Somit bietet die Applikation eine einfache, sichere und bequeme Alternative zur manuellen Verarbeitung der Identitätsinformationen von Kunden, spart Zeit und bietet ein verbessertes Onboarding-Erlebnis für Unternehmen und ihre Kunden.

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