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Innovative Medizintechnik hat in Irland eine lange Tradition

Modernes Stethoskop, Hohlnadel, neue Standards bei der Strahlentherapie und tragbarer Defibrillator: Vier Medizinerfindungen aus Irland

In den vergangenen 20 Jahren hat Irland einen ausgezeichneten Ruf in der Medizintechnik erworben, sowohl als innovativer Partner als auch als Unternehmensstandort. Dieser rasante Aufstieg zu einem der weltweit führenden Zentren der Medizintechnikentwicklung bedeutet allerdings nicht, dass Irland ein Neuling auf diesem Gebiet ist. Was viele nicht wissen: Einige der wichtigsten medizintechnischen Geräte wurden in Irland entwickelt.

Das moderne Stethoskop

Dr. Arthur Leared gilt als der James Watt des Stethoskops. Zwar ist René Laennec aus Frankreich bekannt für die ursprüngliche Idee und Erfindung des Stethoskops, doch handelte es sich hierbei noch um ein rudimentäres Gerät, das sich kaum von den Hörrohren unterschied, die damals von Schwerhörigen verwendet wurden. Um die Herztöne präzise abhören zu können, bedurfte es einiger Verbesserungen. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis Dr. Leared das erste Stethoskop mit zwei Ohrstücken entwickelte. Dadurch konnten Ärzte endlich unabhängig von Umgebungsgeräuschen arbeiten und Herztöne wesentlich besser abhören und interpretieren. Seitdem wurden am modernen Stethoskop nur noch kleinere Veränderungen vorgenommen.

Die Hohlnadel

Heute sind Injektionen mit Spritzen alltäglich. Erfunden wurden diese 1844 von Dr. Francis Rynd am Meath Hospital in Dublin, der „fünfzehn Grain Morphiumacetat, gelöst in einer Drachme Teeröl“ in vier Nerven im Gesicht einer Patientin injizierte. So steht es in einem im Folgejahr veröffentlichten Artikel in der Dublin Medical Press.

Dr. Rynds Patientin litt an starken Schmerzen in der linken Gesichtshälfte, in deren Folge sie opiumabhängig wurde und im vergeblichen Versuch die Schmerzen zu lindern mehrmals Laudanum zu sich nahm. Nach der Entscheidung, das Morphium direkt in die verursachenden Nerven zu injizieren, entwickelte Dr. Rynd einen speziellen Trokar zur Durchdringung der Haut und eine zugehörige Kanüle zur Verabreichung des Medikaments. Da die Spritze noch erfunden werden musste, erfolgte die Injektion allein über die Kanüle, was nach heutigen Maßstäben recht lange dauerte. Doch das Verfahren funktionierte, und die Patientin berichtete von einer sofortigen und länger anhaltenden Schmerzlinderung.

Spätere Erfinder haben Verbesserungen an der Pionierleistung von Dr. Rynd eingeführt, beispielsweise kleinere Nadeln, Spritzen mit Kolben und zusätzliche Sicherheitsmechanismen. Auch heute werden noch immer neue Nadeln für den Einsatz in der Medizin entwickelt. Ein Teil dieser Entwicklungsarbeit findet auch in Irland statt, unweit von dem Ort, an dem die Geschichte der Hohlnadel begann.

Neue Standards bei der Strahlentherapie

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Bestrahlung zu einem wichtigen Behandlungsverfahren bei Tumoren. Hierbei standen die Ärzte vor einer weiteren Herausforderung bei der Injektion: das Einbringen von Radioisotopen in Tumore. Die Gewinnung, Lagerung und Verwendung radioaktiver Stoffe unterschied sich deutlich vom Umgang mit herkömmlichen Materialien. Diese Herausforderungen führten zur Gründung spezieller Einrichtungen, in denen die für radioaktive Materialien erforderlichen klinischen Verfahren und Sicherheitsmaßnahmen entwickelt wurden. Eine der ersten und zudem die wichtigste dieser Einrichtungen war das Royal Dublin Society’s Radium Institute. Das Institut wurde von John Joly gegründet, einem irischen Wissenschaftler, der sich mit Geologie und Mineralogie ebenso beschäftigte wie mit Farbfotografie. Außerdem entwickelte er ein Dampfkalorimeter und konnte beweisen, dass die Erde älter war, als damals angenommen. Gemeinsam mit Dr. Walter Stevenson entwickelte Joly das „Dubliner Verfahren“ zur Behandlung von tief sitzenden Tumoren mit Radium, ein Verfahren, das heute eine weltweit eingesetzte Standardbehandlungsmethode ist. Seitdem sind zahlreiche neue Techniken entstanden und Strahlenquellen erschlossen worden, beispielsweise Zyklotrone und Technetium-99m. Jedoch gilt die Arbeit von John Joly und Dr. Walter Stevenson noch immer als wichtige Entwicklung in der Geschichte der Strahlentherapie.

Tragbarer Defibrillator

Dr. Frank Pantridge aus Belfast revolutionierte die Notfallmedizin durch die Erfindung des tragbaren Defibrillators, mit dem Rettungssanitäter endlich auch Herzrhythmusstörungen behandeln konnten. Obwohl es in den 1960ern bereits externe Defibrillatoren im Krankenhauseinsatz gab, erkannte Dr. Pantridge, dass aufgrund der langen Dauer der Krankentransporte die Möglichkeit zur Behandlung vor Ort von entscheidender Bedeutung war. Gemeinsam mit anderen entwickelte er am Royal Victoria Infirmary in Belfast einen mithilfe einer Autobatterie betriebenen Defibrillator, der sich in einen Krankenwagen einbauen ließ. Dieser Defibrillator war noch groß und schwer, funktionierte jedoch und rettete Leben. Motiviert von seinem eigenen Erfolg konnte Dr. Pantridge das Gerät deutlich verkleinern und die Batterie durch einen Kondensator ersetzen, der die Ladung hielt. In nur drei Jahren reduzierte sich das Gewicht des mobilen Defibrillators von 70 auf nur 3 Kilogramm. Heute ist fast jeder Krankenwagen weltweit mit einem Defibrillator ausgestattet, und externe Defibrillatoren finden sich an Flughäfen, in Stadien und an anderen Orten mit großen Menschenansammlungen.

Vom Stethoskop bis zum tragbaren Defibrillator: Irische Wissenschaftler und Ärzte haben medizinische Geräte entwickelt, ohne die die heutige klinische Versorgung undenkbar wäre. Erscheint die innovative irische Medizintechnikbranche oftmals recht jung, so hat sie doch eine lange Geschichte der Innovationen im Bereich medizinischer Geräte.

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