Neue Chancen für Fintech Fintech Neuigkeiten

Chris Skinner: „Nach dem Brexit wird Irland der beste Standort für US-Banken”

Viele irische Branchen und Unternehmen sehen dem Brexit ängstlich entgegen, doch für Fintech schafft er neue Chancen.

In seiner Keynote für Enterprise Ireland beim Kongress ‘Future of Fintech’ in Dublin erklärte der in Großbritannien ansässige Fintech-Experte Chris Skinner, dass der Verlust der europäischen Passrechte für in Großbritannien ansässige Finanzdienstleister ein Segen für Irland sei.

„Es ist ein großer Verlust für Großbritannien, einen Markt von 28 Ländern auf nur einen zu reduzieren.” Für Dublin aber, so Skinner, sei es ein „Geschenk“, das bereits geliefert worden sei.

Für die Zeit nach dem Brexit ist Irland der beste Standort für US-Banken.

„US-Banken verlagern zentrale europäische Dienstleitungen bereits jetzt nach Irland. Das höre ich nicht nur, das sehe ich“, sagte er.

„Das heißt aber nicht, dass sie ihren gesamten Betrieb nach Dublin verlegen. London gilt immer noch als globales Finanzzentrum. Wenn wir jedoch, was den Zugang zum europäischen Markt betrifft, davon ausgehen, dass dieser London bald nicht mehr zur Verfügung steht, ist der beste Standort für US-Banken Irland – nicht nur Dublin, sondern auch die gesamte Westküste.”

In der Zwischenzeit eröffnen sich im Fintech-Bereich neue Chancen, da Banken diesem Bereich immer mehr Bedeutung zumessen.

„Für mich ist Fintech wie eine Eltern-Kind-Beziehung, wobei die Banken die Eltern und Fintech das Kind sind. Vor fünf Jahren sagten alle, dass Fintech dafür sorge, Banken loszuwerden. Doch fünf Jahre später sind die Banken immer noch hier, genauso groß und genauso mächtig wie zuvor.”

Das Ergebnis ist ein fortschrittlicher und reiferer Diskurs zwischen Fintech-Unternehmen über Partnerschaften, Mitgestaltung und Zusammenarbeit mit Banken.

Banken als Verwalter von Fintech-Lösungen

Aus seiner Sicht ist damit der Weg für die Zukunft der Banken als „Kuratoren“ zahlreicher intelligenter Fintech-Lösungen geebnet. Mit einer Reihe innovativer Dienstleistungen werden Banken in der Lage sein, sich auf dem Markt zu differenzieren. Gleichzeitig sichert die Partnerschaft mit einer vertrauenswürdigen, bekannten Bank Fintech-Unternehmen ihren Erfolg.

All dies geschieht bereits: Fintech „hat aktuell den stärksten Einfluss dort, wo neue Märkte erschlossen werden. Märkte, die vom traditionellen Finanzsystem bislang nicht oder zu wenig erreicht wurden, sei es bei Privatdarlehen, Krediten für kleine Unternehmen, Studentendarlehen oder P2P-Zahlungen und -Kredite“, führt er aus.

Fintech treibt auch Verbesserungen des bestehenden Finanzsystems voran. „Da Banken staatliche Lizenzen haben, vertrauen Kunden ihnen ihr Geld an. Als Verbraucher wissen Sie, dass Sie Ihre 100.000 Euro zurückbekommen, wenn die Bank in Schwierigkeiten gerät. Bei nicht regulierten Unternehmen haben Sie diese Garantie nicht, und das wissen Kunden“, sagte er.

Die Menschen haben auch „irgendwie Angst vor Geld, und es ist ihnen zuwider, den Kontoanbieter zu wechseln“, erläutert Skinner.

„Um Menschen von einem Bankwechsel zu überzeugen, gibt es in Großbritannien seit fünf Jahren Regeln für den Kontowechsel. Im Moment wechseln allerdings weniger Leute die Bank als vor Einführung der Bestimmungen. Kunden fragen sich, weshalb sie ihre Bank wechseln sollen, wenn sie sich eigentlich nur wünschen, dass alles sicher und glatt läuft.“

Wie gewinnt also ein Fintech-Unternehmen Kunden? „Das ist sehr schwierig, zumal die meisten Fintechs keine Geschichte, keine Marke und keine Vertrauensbasis haben, während Banken von einer Jahrhunderte alten Geschichte, Millionen Kunden und Milliarden Euro profitieren.”

Fintech-Innovationen sorgen für bessere Kundenerlebnisse

Diese Erkenntnis hat Fintechs bestärkt, Wachstumsvorhaben umsichtiger anzugehen. „Sie sind allmählich an einem Punkt angelangt, an dem sie sagen: Okay, ich werde die Bank nicht ersetzen, aber ich kann Dienste der Banken übernehmen und verbessern. Und in diesen Bereichen sind Fintechs wirklich erfolgreich. Sie verbessern das Kundenerlebnis, indem sie den Umgang mit Bankgeschäften erleichtern.”

Sie beseitigen Ineffizienzen und Fehler von Bankprozessen die, wie Skinner hervorhebt, noch aus der industriellen Revolution stammen. Ein Beispiel sind Kontoeröffnungen, bei denen Kunden noch persönlich samt Ausweis und Identitätsnachweis antreten müssen.

Einige Fintech-Innovationen leiden jedoch noch an Kinderkrankheiten. „Blockchain wurde hochgejubelt, dann sind die Menschen schwer enttäuscht worden – vor allem, weil in den Jahren 2015 und 2016 so viel darüber geredet wurde und dann die harte Realität im Weg stand. Es ist immer noch eher ein Experiment“, erklärte Skinner.

„Die Weiterentwicklung bleibt schwierig, weil die Zusammenarbeit vieler verschiedener Drittparteien nötig ist, damit es sich wirklich lohnt. Der ganze Sinn von Blockchain besteht ja darin, eine Vertrauensbasis zwischen Menschen zu schaffen, die einander ansonsten nicht vertrauen.“

Bei der Erstellung einer internen Datenbank brauchen Sie das nicht, da Sie Ihrer eigenen Organisation ja schon vertrauen. Wenn Sie beispielsweise finanzielle Gegenparteien in Russland, China, den USA und Dublin haben, die sich nicht vertrauen, ist dies notwendig“, betont er.

„Im Moment ist es SWIFT, und morgen wird es Ripple oder das SWIFT-Netzwerk in einer Blockchain. Doch das zu entwickeln dauert Jahre, da so viele Drittparteien daran beteiligt sind; und auch die Technik ist noch nicht einsatzbereit.”

Auch wenn noch experimentiert wird: In irgendeiner Form werden Buchhaltungs- und verteilte Finanztechnologien einen Hauptteil der Kerninfrastruktur zwischen Institutionen, insbesondere zwischen Regierungen, Unternehmen und Banken, verändern“, bekräftigte er. „Der Grundstein ist bereits gelegt, doch es wird noch drei bis fünf Jahre dauern, bis die Idee zur Realität wird.”

Ihr Interesse

Geben Sie im Folgenden Ihre Daten ein, wenn Sie Informationen dazu erhalten möchten, was Irland im Bereich [sector] zu bieten hat. Hier finden Sie ausführliche Kundenbeispiele und den idealen Partner im Bereich [sector] für Ihr Unternehmen.




Jetzt registrierenJetzt registrieren

Thank you

for registering to our newsletter