Eddie Goodwin_Medtech Medizintechnik Neuigkeiten

Irische Medtech-Unternehmen forcieren digitale Trends und Innovationen in Europa

Interview mit Eddie Goodwin, Manager DACH bei Enterprise Ireland, über Herausforderungen sowie digitale Trends und Entwicklungen in der Medtech- Branche.

 

Herr Goodwin, welche globalen Trends bestimmen den Medtech-Sektor aktuell?

Goodwin: Hier sind unterschiedlichste Entwicklungen zu nennen, die jedoch oft ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen. Zum einen haben sich die gesetzlichen Bestimmungen zur Krankenversicherung in den vergangenen Jahren stark geändert. Hinzu kommen stetig wachsende Kosten, die sowohl bei öffentlichen Organisationen als auch bei Verbrauchern für ein verstärktes Interesse an Heimpflege sorgen. Der zunehmende Kostendruck gepaart mit gesundheitsbewussteren Verbrauchern, einem verstärkten Wettbewerbsdruck und dem Anliegen, Prozesse immer besser und effizienter zu gestalten, geht einher mit rapiden technologischen Fortschritten und innovativen Produkten: E-Health, personalisierte Medizin und Selbstbehandlung werden immer wichtiger und Kombigeräte sowie Big Data-Analysen finden zunehmend Verbreitung. Nicht zu vergessen ist ein wachsender Bedarf an neuen Produkten und Dienstleistungen aufgrund der Überalterung der Bevölkerung sowie des Anstiegs chronischer Erkrankungen.

Wie reagieren irische Medtech-Unternehmen auf diese Herausforderungen?

Goodwin: Eine neue und sehr zukunftsorientierte Generation von irischen Medizingeräte- und Diagnosetechnikherstellern sowie Digital Health-Unternehmen ist darauf fokussiert, mit ihrem revolutionären und auf Entwicklung ausgerichteten biomedizinischen Konzept die Wünsche ihrer internationalen Kunden bestmöglich zu adressieren. Unterstützt wird die Branche durch zahlreiche Zulieferer sowie eine zugehörige Lieferketten-Infrastruktur, auf die sich führende Unternehmen weltweit verlassen können. Hinzu kommt eine wachsende Zahl innovativer irischer Medizintechnik-Start-ups. Ihre Lösungen reichen von Smart-Geräten für die problemlose Diagnose aus der Ferne bis zu neuartigen Implantaten, die den postoperativen Heilungsprozess beschleunigen.

Können Sie einige Beispiele nennen: In welchen Bereichen treiben irische Unternehmen die Digitalisierung der europäischen Medtech-Branche voran?

Goodwin: Besonders spannend in Bezug auf Start-ups und Innovationspotenzial ist in Irland der Bereich Connected Health. Die entwickelten Lösungen legen mithilfe von Mobiltechnologie, vernetzten Geräten und Ferndiagnose einen Teil der medizinischen Versorgung in die Hand des Patienten. Dies bedeutet vor allem eine bessere Nutzung der Ressourcen im Gesundheitswesen sowie mehr Flexibilität beim Kontakt zwischen Ärzten und Patienten.

Wie kommt es, dass irische Unternehmen so innovationsstark sind?

Goodwin: Das ist zum einen dem hervorragenden irischen Bildungssystem und vielen gut ausgebildeten Talenten geschuldet. Zum anderen werden Themen wie Forschung und Entwicklung in Irland großgeschrieben, und auch die Regierung unterstützt mit zahlreichen Fördergeldern, Organisationen und Initiativen. Damit nicht genug: Zusätzlich zu 18 der 25 weltweit führenden Medizintechnikunternehmen unterhalten neun der zehn weltweit führenden ICT- Unternehmen sowie neun der zehn größten Biopharmaunternehmen wichtige Niederlassungen in Irland. Dank dieses Potenzials leistet Irland einen deutlichen Beitrag zur globalen Ausdehnung des Internets der Dinge auf die Gesundheitsversorgung. Entscheidend für den Erfolg des weltweit gelobten irischen Medizintechniksektors sind Zusammenarbeit und aktiver Austausch von Know-how. Die Orientierung weg von der reinen Fertigung hin zu Forschung und Entwicklung geht mit einer engen Zusammenarbeit zahlreicher unterschiedlicher Partner einher. Hierzu zählen Universitäten, Krankenhäuser, Fertigungsunternehmen und Behörden. Dank des einzigartigen Geschäftsumfelds in Irland stehen irische Unternehmen an der Spitze des weltweiten Fortschritts in der Medizintechnik und wichtige Innovatoren aus Industrie und Wissenschaft sind hier leicht zugänglich.

Ein anderer wichtiger Bereich sind Themen wie Big Data, der Umgang mit sensiblen Patienteninformationen und zudem immer striktere Bestimmungen. Wie unterstützen irische Medtech-Unternehmen diesen Aspekt?

Goodwin: Datensicherheit wird immer wichtiger – das adressieren irische Unternehmen mit ihren Technologien und Dienstleistungen. Zudem kennen wir als Mitglied der Europäischen Union genau europäische, durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Ländern aber auch internationale Vorgaben und Gesetze. Der Einhaltung von Bestimmungen, Normen und Standards kommt besonders vor dem Hintergrund des Brexit eine immense Bedeutung zu. Irland bietet Unternehmen, die in den verbleibenden 27 Ländern der Union tätig sind, Sicherheit und Klarheit hinsichtlich Zulassung und Vermarktung. Beispielsweise können irische Unternehmen Kunden bei der Einhaltung der neuen Medizinprodukteverordnung sowie der ebenfalls neuen Verordnung für In-vitro- Diagnostika der EU behilflich sein, auf deren Einhaltung sich Unternehmen bis 2020 beziehungsweise 2022 vorbereiten müssen.

Wie unterstützt Enterprise Ireland irische Medtech-Anbieter?

Goodwin: Gemeinsam mit Forschungspartnern und Krankenhäusern arbeitet Enterprise Ireland am Ausbau des irischen Medizintechniksektors. Hierbei setzen wir vor allem auf marktorientierte Technologiezentren für Bereiche wie Connected Health und fortschrittliche Fertigung. Hinzu kommt der Health Innovation Hub Ireland, ein Zusammenschluss von Ärzten, Wissenschaftlern, Innovatoren und Unternehmern aus ganz Irland, die sich gemeinsam für Innovation und Vermarktung im Gesundheitswesen einsetzen. Zu nennen sind aber auch die wichtigen Technologie-Gateways, die für die Verbreitung von Branchenkenntnissen bei technologischen Institutionen im ganzen Land sorgen und praktisch marktfähige Lösungen in Bereichen wie Entwicklung, Technik, Fertigung und Diagnose bereitstellen. Last but not least bieten wir mit BioInnovate Ireland ein Schulungsprogramm zum Thema Innovation in der Medizintechnik, bei dem Vertreter von Hochschulen sowie Ärzte und Branchenexperten gemeinsam neuartige Technologien für den Einsatz in der Medizin entwickeln.

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