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Fünf Rechtsfragen, die vor dem Bau eines Rechenzentrums zu beachten sind

Rechenzentren sind für Unternehmen von großem Wert. Daher sollten alle Projektphasen gut geplant, Risiken umfassend eingeschätzt und minimiert werden. Aus diesem Grund begleiten Rechtsexperten Standortwahl, Planung und Bau eines Rechenzentrums von Beginn an. Dieser Artikel beleuchtet einige der Rechtsfragen, die es zu beachten gilt. Im Fokus stehen hierbei die folgenden Themen:

  • Auftragsvergabe für Projekte
  • Flächennutzung, Rechtsansprüche und Bestimmungen
  • Energieverbrauch und -effizienz
  • Datenübertragung und -hoheit
  • Spezifische rechtliche Anforderungen hinsichtlich unterschiedlicher Arten von Unternehmensdaten

 

  1. Auftragsvergabe

Wie erfolgt die Auftragsvergabe bei einem Projekt? Die Weiterentwicklung unternehmensinterner Kenntnisse bei Kunden hat Auswirkungen auf die Rahmenverträge. Einige Kunden verlangen mehr Flexibilität und eine engere Partnerschaft als bislang beim herkömmlichen Ablauf mit den Stufen Planung, Angebot und Bau üblich. Der neue partnerschaftlich geprägte Ansatz erlaubt dem Kunden, die Kontrolle über das Projekt zu behalten, während die Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Lieferanten während des gesamten Prozesses für ein gewisses Maß an Validierung und Qualitätskontrolle sorgt. Bei dieser Art der Auftragsvergabe liegt das Prozessmanagement beim Kunden. In der Bauindustrie ist dieser Prozess häufig geprägt von Änderungen bei Verträgen und Budget, da Probleme von einer Phase in die nächste übertragen werden. Während die Rationalisierung der Lieferantenseite auf einen Anbieter weniger Revisionen verspricht, gehen mögliche neue Sichtweisen auf den Prozess verloren. Letztendlich bedeutet die Auftragsvergabe an einen Rechenzentrumsentwickler die Auslagerung des Bauprozesses. Die rechtliche Tragweite dieser unterschiedlichen Konzepte muss gegen die Anforderungen und die Projektmanagementkapazitäten des Auftraggebers abgewogen werden.

 

  1. Rechtsansprüche und Bestimmungen

Rechtliche Erwägungen in der Planungsphase eines Rechenzentrums sind ausschlaggebend für dessen gesamte Nutzungsdauer. Beispielsweise erfordert der Bau eines Tier V-Rechenzentrums eine formale und bindende Vereinbarung mit lokalen Versorgungsunternehmen hinsichtlich der Bereitstellung der doppelten Stromversorgung. Obwohl die Vorschriften für die Errichtung von gewerblich genutzten Gebäuden gesetzlich festgelegt sind, müssen diese beim Bau von Rechenzentren jedoch in besonderem Maße Beachtung finden. Rechenzentren für Clouddienste oder andere digital bereitgestellte Leistungen unterscheiden sich stark von Server-Housing-Anlagen, bei denen Kunden möglicherweise physischen Zugang zu ihrer IT benötigen. Die zulässige Nutzung ist vom jeweiligen Grundbesitzer abhängig, der Art des Anspruchs, ob es sich beim Projekt um einen Neubau oder den Umbau eines vorhandenen Gebäudes handelt, der Art der Miet-, Pacht- oder Bewirtschaftungsvereinbarung, den spezifischen Bestimmungen für die Flächennutzung und -ausstattung (einschließlich grauer Fläche) sowie der vor Ort verfügbaren Versorgung (Strom und so weiter).

Ein Beispiel, das dies verdeutlicht, ist das von der öffentlichen Hand gemietete Tseung Kwan O Industrial Estate von Hong Kong Science and Technology Parks. Hier ist die Untervermietung ebenso verboten wie die Unterteilung mit gemeinschaftlicher Nutzung, was den Betrieb einer Server-Housing-Anlage dort, rechtlich betrachtet, problematisch macht. Die entsprechende Bestimmung stammt noch aus einer Zeit, in der es noch keine Rechenzentren gab. Nach der Bestimmung ist das Grundstück als öffentliches Eigentum ausgewiesen, das die Regierung von Hongkong im Auftrag der Bürger verwaltet, wodurch eine gewerbliche Untervermietung ausgeschlossen ist. Auf dem Grundstück befinden sich dutzende Multi-Tenant-Rechenzentren, bei denen seit bereits fast einem Jahrzehnt darüber debattiert wird, ob diese als bestimmungsgemäß gelten. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob diese Rechenzentren vornehmlich Dienstleistungen anbieten oder Raum und Geräte weitervermieten. Ein weiteres Problem hinsichtlich des Zugangs besteht darin, dass der Server-Housing-Anbieter die Kontrolle über den Zugang nicht an Dritte abgeben darf, selbst dann nicht, wenn diese Drittpartei einen bestimmten Cage oder Bereich erworben hat, der vor Zugang geschützt werden soll. Dies ist ein Beispiel für Unklarheiten, die der für Rechenzentren erforderlichen Rechtssicherheit entgegenstehen. An anderen Standorten gibt es ähnliche Herausforderungen.

 

  1. Energieverbrauch und -effizienz

Es besteht einiger Klärungsbedarf, inwieweit Rechenzentren gesetzlich zur Senkung des Energieverbrauchs und des Kohlendioxidausstoßes verpflichtet werden können. Da es sich um Gebäude handelt, die deutlich mehr Strom verbrauchen als Büroräume, fallen Rechenzentren möglicherweise unter gesetzliche Regelungen zur Verringerung des Energieverbrauchs oder müssen spezifische Maßnahmen ergreifen, um Strafgebühren für einen „überhöhten“ Stromverbrauch zu vermeiden. Schlagzeilen wie die, dass Rechenzentren bis 2025 für ein Fünftel des weltweiten Energiebedarfs verantwortlich sein werden oder bis 2040 sogar für nahezu den gesamten, machen deutlich, warum Rechenzentren ins Blickfeld rücken. Im Kontext der anspruchsvollen Klimaziele der EU-Staaten und der meisten anderen Industrienationen stehen Regierungen unter Druck, gesetzliche Regelungen hinsichtlich Energieeffizienz und Kohlendioxidausstoß in Kraft zu setzen.

Energy consumption

In diesem Zusammenhang streben die meisten Länder eine gesetzliche Regelung zum Energieverbrauch von Rechenzentren an. Hierbei ergeben sich eine Reihe von Fragen. Beispielsweise, ob ein großes, jedoch effizientes Rechenzentrum als „schädlicher“ anzusehen ist, als ein kleines, weniger effizientes. Ist das Ziel die Senkung des Verbrauchs oder die Steigerung der Effizienz (oder beides)? Soll es Unternehmen, die ihren CO2-Fußabdruck minimieren möchten, gestattet werden, unternehmenseigene Anlagen außer Betrieb zu nehmen und diese durch Server-Housing-Anbieter zu ersetzen? Wie sind Anreize und Strafen, Aufklärung und gesetzliche Vorschriften, Freiwilligkeit und Zwangsmaßnahmen gegeneinander abzuwägen? Rechtlicher Beratung in diesem Bereich wird voraussichtlich die Rolle von Szenarioplanung zukommen.

 

  1. Datenschutz und Datenhoheit

Aufgrund der Vernetzung (auch über Landesgrenzen hinweg) gibt es bei der Auswahl des Standorts für ein Rechenzentrum in rechtlicher Hinsicht mehr zu beachten. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Clouddiensten und virtuellen Umgebungen ist es mitunter schwierig, Daten einem spezifischen physischen Standort zuzuweisen. Das Safe Harbor-Abkommen wurde ursprünglich im Jahr 2000 zwischen der EU und den USA getroffen, um die Übertragung personenbezogener Daten von EU-Bürgern in die USA unter den Schutz der EU-Datenschutzgesetze zu stellen. Das Abkommen wurde im Oktober 2015 durch den Europäischen Gerichtshof gekippt, der der Klage eines Österreichers hinsichtlich des Schutzes seiner Daten bei Facebook und deren Speicherung in der EU stattgab. Eine der wichtigsten Lehren hieraus war, dass die Gesetzgebung ineffektiv und nicht in der Lage ist, mit der Entwicklung von Technologien zur Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Daten mitzuhalten.

Da mehr und mehr Länder auf Datenhoheit setzen, bestehen rechtliche Fragen ebenso vor dem Hintergrund von Quelle und Zweck der Daten wie auch dem Ort der Speicherung. Das Urteil zum Safe Harbor-Abkommen hat gezeigt, dass sich im Bereich der Datenhoheit plötzlich tiefgreifende Änderungen ergeben können. Dadurch kommt dem gesetzeskonformen Umgang mit Daten oberste Priorität zu. Ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO) kann Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes nach sich ziehen. Der oftmals diskutierte Vorschlag, die EU-DSGVO als weltweiten Datenschutzstandard durchzusetzen, ist eine direkte Folge der derzeitigen Situation, bei der unterschiedliche Standards die globalen Datenströme beeinträchtigen.

 

  1. Spezifische Anforderungen

Compliance- und Kundenanforderungen werden die Planung von Unternehmensrechenzentren bestimmen. Dies gilt ebenso für Rechenzentren, in denen Dienste bestimmter Bereiche gehostet werden. Als Folge der weltweiten Finanzkrise stehen Finanzinstitute vor neuen Anforderungen hinsichtlich der Speicherung, Sicherheit und Analyse elektronischer Daten in Bezug auf Rechenschaftspflicht, Reporting sowie Solvenz- und Risikomanagement. Andere Bereiche, in denen personenbezogene Daten generiert und gespeichert werden, wie Gesundheitswesen, Sozialsysteme und Einzelhandel erfordern Anlagen und Systeme, in denen sich Daten sicher und im Einklang mit Gesetzen und Kundenerwartungen speichern lassen. Als die Architekten der Datenhoheit müssen die Regierungen selbst Sorge dafür tragen, dass genug für den Datenschutz getan wird. Beispielsweise hat das australische Verteidigungsministerium kürzlich Daten zurück ins eigene Haus geholt, nachdem das Rechenzentrum, in dem diese bislang gespeichert waren, Ende 2016 zu 49 Prozent an ein chinesisches Konsortium ging.

 

Haftungsausschluss: Die hierin enthaltenen Informationen sind allgemeiner Natur und sollten nicht ohne professionelle Beratung oder gründliche Prüfung der jeweiligen Situation als Handlungsgrundlage dienen. Weder Enterprise Ireland noch DCD oder in deren Auftrag handelnde Personen haften für die Verwendung der hier bereitgestellten Informationen.

 

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